Die Supply Chain im Stresstest

Risiken und Disruptionen in Zeiten von COVID-19

Von

Susanne Mayer
25.6.2020

in

Wien

Redakteurin Haufe Advisory

Kaum ein Stein blieb auf dem anderen, als Anfang 2020 ganze Branchen zum Stillstand kamen und andere der gesteigerten Nachfrage nicht entsprechen konnten. Die Corona-Pandemie hat auch vor den globalen Supply Chains nicht haltgemacht. Das bedeutet nicht nur ein Umdenken in der Krise, sondern auch ein Umdenken für die Zukunft aller Unternehmen, die Teil der globalisierten, arbeitsteiligen Wirtschaft sind oder werden möchten.

Die Krux der Schwankungen: Von vorne bis ganz hinten

Die wirtschaftliche Notbremsung Anfang des Jahres hat unzählige Branchen und Betriebe betroffen und betrifft sie mitunter bis heute. Bedarfsschwankungen, wie sie in der Krise aufgetreten sind, hatten zur Folge, dass Firmen weder zielgerichtet planen noch ihre Mitarbeiter/innen auf kontinuierlichem Level beschäftigen konnten. Kurzfristige Bedarfsspitzen führten zum bekannten Loopback- oder Peitscheneffekt, der sich von der Kundenseite auf die Lieferantenbetriebe übertrug und zur Aufschaukelung von Bestellschwankungen in vorgelagerter Richtung der Lieferkette führte.

Die Downsides der arbeitsteiligen Supply Chains

Was für KonsumentInnen vordergründig wie ein lineares Stop-And-Go aussieht, zieht in der Supply Chain weitreichende Folgen nach sich. Vermehrtes globales Outsourcing, kurze Produktlebenszyklen und Just-in-time-Produktionsweisen führen seit Jahren zu einer gesteigerten Komplexität der Lieferketten und machen diese in Krisen wie einer weltweiten Pandemie anfällig für Störungen. Lockdown Maßnahmen und mit ihnen die verringerte Arbeitserbringung an unterschiedlichen Stellen der Supply Chain führten in weiterer Folge zu Produktions- und Lieferengpässen bei jenen Betrieben, die aufgrund der gesteigerten Nachfrage sonst ein großes Plus erwirtschaften hätten können.

Forecasting und Klopapier

Das wohl eindrucksvollste, weil ungewöhnlichste Beispiel von Supply Chain Problemen während der Pandemie waren die leeren Klopapier-Regale der Supermärkte. Ein Produkt, das gerne zur Illustration von perfekter Planbarkeit herangezogen wird, war plötzlich out of stock. Dass es mitunter Wochen dauerte, bis die Supermärkte ihre Lager und damit die Regale wieder füllen konnten, zeigt die Vulnerabilität von Lieferketten, wenn es plötzlich zu Hamsterkäufen und Übernachfrage kommt. Klassische Planungsmodelle sind auf diese steilen Anstiege in der Nachfrage nicht eingestellt. Forecasting im Food Retail ist im Normalfall vorhersehbar und planbar. Nicht so in Krisenzeiten, die zu verstärktem manuellen Adjustieren der Planungssysteme, verschobenen Durchschnitten in Nachfragemengen und schlussendlich zu Überproduktion führen, was dem Engpasspoker und der Mengenkontierung geschuldet ist.

Schwieriges Zusperren, schwieriges Aufsperren

Drastische Auswirkungen auf die globale Supply Chain hatte in der Krise nicht nur der Lockdown; auch das Wiederhochfahren der Wirtschaft stellt die Firmen vor erhebliche Herausforderungen. In der Krise gekündigte Mitarbeiter/innen fehlen jetzt, wo die Nachfrage wieder zunimmt. Verluste müssen wieder wettgemacht werden, neues Personal kann nicht so schnell wieder eingestellt werden. Nicht alle Zulieferbetriebe laufen auf Normalbetrieb, Abhängigkeiten von vorgelagerten Betrieben, in denen noch nicht wieder gearbeitet werden kann, bringen die Rädchen ins Stocken.

Die großen Gewinner: Pharma und Digital Innovators

Wie immer gibt es auch in Pandemie-Zeiten Gewinner und Verlierer. Zu den Gewinnerbranchen zählen nicht nur die bereits erwähnten Branchen wie Medizintechnik, Produzenten von Hygieneprodukten oder auch die Pharmaindustrie – auch jene Branchen, die bereits heute auf digitalisiertes Supply Chain Management setzen, sind klar im Vorteil. Stehen Informationen über Auftragszahlen allen Mitgliedern der Supply Chain simultan zur Verfügung, können sowohl Shutdown als auch Wiederhochfahren schneller vonstattengehen.

Veränderung auf ganzer Linie

Die Krise hat deutlich gezeigt, dass Änderungen in der Supply Chain notwendig sind, um für zukünftige Herausforderungen bessert gerüstet zu sein. Es ist anzunehmen, dass sich Beziehungen zwischen Kunden- und Lieferantenbetrieben wieder ändern werden. Preis-Fokus allein kann nicht die Lösung der globalen Supply Chains sein. Sowohl ein verstärkter Fokus auf Partnerschaften als auch ein Andenken von gesteigertem Local Sourcing und damit dem Ausbau lokaler Lieferketten sind anzudenken, um weitere Krisen gesund zu überstehen. Auch die generelle Abhängigkeit von einer Vielzahl an Zulieferbetrieben scheint im „New Normal“ mit mehr Risiken behaftet als vor der Pandemie angenommen. Ein Richtungswechsel zu verstärktem Insourcing kann hier Teil der Lösung sein. Auch Notfall-Lieferketten und verstärktes Risikomanagement werden in den kommenden Monaten und Jahren an Bedeutung gewinnen.

Digitalisierung ist Key

Als Schlüsselelement in einer gesunden, resilienten Supply Chain stellt sich ein ums andere Mal ein gesundes digitales System heraus, das schnell auf veränderte Bedingungen reagieren kann. Wird vor allem in kleinen Betrieben Geld gespart, indem auf ausgefeilte IT-Systeme in Logistik und Supply Chain Management verzichtet wird, passiert das letzten Endes auf dem Rücken der unternehmerischen Agilität. Der Black Swan Event der COVID-19 Pandemie könnte dazu führen, dass mehr und mehr Unternehmen auf Digital Supply Networks (DSN) setzen, statt auf traditionelle lineare Supply Chain Modelle. Die Implementierung solcher ganzheitlichen Systeme betrifft die komplette Supply Chain und muss professionell begleitet werden. Einer solchen Entscheidung gehen intensive Planung und Visualisierung voraus, um die Synapsen richtig zu vernetzen.

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